Island Herbst 2026
Aus einer Schnapsidee wurde Ernst
Was zunächst als spontane Idee begann, wird nun Realität: 18 Personen machen sich gemeinsam auf den Weg zu einer Islandexkursion - die meisten davon Lehrpersonen. Vom 3. bis 9./10. Oktober 2026 entdecken wir Island mit seinen Vulkanen, Gletschern, Wasserfällen und seiner besonderen Landschaft. Dabei geht es nicht nur ums Reisen, sondern auch ums Beobachten, Lernen und den gemeinsamen Austausch. Und natürlich hoffen wir auf gutes Wetter, aktive Polarlichter und möglichst viele unvergessliche Erlebnisse. 🇮🇸🌋🌌
Wetter- und Polarlichtvorschau
Wettertendenz für unsere Islandreise - Update 30. September
Die Wettermodelle beginnen sich für unsere Islandwoche langsam anzunähern. EZ und GFS zeigen inzwischen eine sehr ähnliche Grosswetterlage, unterscheiden sich aber noch deutlich beim zeitlichen Ablauf. Für unsere erste Nacht vom 3. auf den 4. Oktober bestehen weiterhin Chancen auf grössere Wolkenlücken. Entscheidend wird sein, wie schnell die Bewölkung am Samstag abzieht und wo sich am Abend die klarsten Gebiete befinden. Danach verschlechtert sich das Wetter wieder deutlich. In den Nächten vom 4. auf den 5. und vom 5. auf den 6. Oktober rechnen wir momentan kaum mit brauchbaren Bedingungen für Polarlichtbeobachtungen. Eine Störung mit dichter Bewölkung und teilweise Niederschlag zieht über Island hinweg. Spannend wird es anschliessend, denn genau hier unterscheiden sich EZ und GFS. EZ lässt die Störung relativ schnell durchziehen und rechnet bereits am 6. Oktober mit einer deutlichen Wetterberuhigung. GFS ist langsamer und hält den Einfluss des Tiefs länger über Island. Die Nacht vom 6. auf den 7. Oktober könnte deshalb zu einem wichtigen Beobachtungsfenster werden, wobei Zeitpunkt und Region noch völlig offen sind. Die Grosswetterlage wird inzwischen recht ähnlich berechnet - jetzt entscheidet vor allem, wie schnell die Störung Island tatsächlich überquert.
Wo finden wir auf Island ein wolkenfreies Zeitfenster?
Für unsere Islandreise vom 3. bis 10. Oktober haben wir historische Wolkenbeobachtungen verschiedener Wetterstationen mit der grossräumigen Strömung auf 500 hPa aus ERA5 verglichen. Entscheidend ist für uns nicht eine komplett wolkenlose Nacht. Für Polarlichter und Astrofotografie reicht bereits ein zusammenhängendes Zeitfenster von mindestens drei Stunden.
Die Karte zeigt deshalb für verschiedene Westströmungen die Wahrscheinlichkeit, während einer Oktobernacht ein solches Fenster zu finden. Dabei unterscheiden wir zwischen nahezu klarem Himmel (≤2/8 Bewölkung) und einem brauchbaren Beobachtungsfenster (≤4/8 Bewölkung).
Besonders interessant ist Höfn im Südosten: Bei Westströmung gab es dort in rund 55 %, bei WNW/NW sogar in rund 60 % der untersuchten Nächte ein mindestens dreistündiges Fenster mit höchstens halber Bewölkung. Bei Südwestströmung verschiebt sich der Vorteil dagegen eher Richtung Egilsstaðir.
Die Auswertung zeigt eindrücklich, wie stark die isländischen Berge durch Luv- und Lee-Effekte die Bewölkung beeinflussen. Für unsere Reise bedeutet das: Nicht nur die Wetterprognose entscheidet - manchmal kann bereits eine Fahrt auf die andere Seite der Insel den Unterschied zwischen Wolkendecke und Polarlichtern ausmachen.
Polarlichter - die Voraussetzungen sind interessant
Bei den Polarlichtern sieht die Ausgangslage grundsätzlich erfreulich aus. Die Sonne befindet sich weiterhin in einer aktiven Phase des aktuellen Sonnenzyklus. Damit besteht eine gute Grundlage für geomagnetische Aktivität und entsprechend für Polarlichter über Island.
Eine konkrete Polarlichtprognose für unsere Reisewoche ist jetzt allerdings noch nicht möglich. Sonneneruptionen und koronale Massenauswürfe, die besonders starke Polarlichter verursachen können, lassen sich erst wenige Tage im Voraus sinnvoll beurteilen. Über längere Zeiträume können wiederkehrende Strukturen auf der Sonne gewisse Hinweise liefern.
Für uns müssen letztlich drei Dinge gleichzeitig passen: Dunkelheit, möglichst wenig Bewölkung und genügend geomagnetische Aktivität. Anfang Oktober ist die Dunkelheit kein Problem. Bei der Sonnenaktivität sind die grundsätzlichen Voraussetzungen ebenfalls gut. Der grosse Unsicherheitsfaktor bleibt damit vorerst das Wetter.
Je näher unsere Abreise rückt, desto stärker werden wir deshalb den Blick von den langfristigen Klimasignalen auf die konkreten Wettermodelle und schliesslich auf Bewölkung, Sonnenwind und Polarlichtprognosen richten.
🌋 Grindavík - ein Vulkansystem unter Druck
Seit Ende 2023 ist die Reykjanes-Halbinsel südwestlich von Reykjavík wieder Schauplatz intensiver vulkanischer Aktivität. Im Gebiet zwischen Svartsengi, Grindavík und der Sundhnúkur-Kraterreihe kam es innerhalb kurzer Zeit immer wieder zu Spaltenöffnungen und Lavaeruptionen.
Das Grundprinzip ist erstaunlich anschaulich:
Magma steigt auf → sammelt sich unter Svartsengi → der Boden hebt sich → der Druck nimmt zu → Magma dringt als Gang in Richtung Sundhnúkur vor → die Erdkruste reisst auf → Lava tritt aus.
Danach beginnt der Vorgang erneut.
Ein Rhythmus entsteht
Zu Beginn schien das System beinahe regelmässig zu funktionieren. Zwischen den ersten Eruptionen lagen teilweise nur wenige Wochen:
Dezember 2023 → Januar 2024 → Februar → März → Mai → August → November → April 2025 → Juli 2025
Doch die Abstände wurden tendenziell länger. Die neunte und bisher letzte Eruption begann am 16. Juli 2025 und endete am 5. August 2025.
Seitdem ist es oberirdisch ruhig.
Unter der Erde allerdings nicht.
Svartsengi hebt sich weiter
Messungen zeigen weiterhin eine langsame Hebung des Bodens bei Svartsengi. Allein während der letzten drei Monate stieg der Boden um ungefähr 5 cm. Das bedeutet, dass sich in mehreren Kilometern Tiefe weiterhin Druck aufbaut.
Im August 2026 schätzten die Vulkanologen, dass sich seit Beginn der letzten Eruption bereits ungefähr 29,1 Millionen m³ Magma unter Svartsengi angesammelt haben. Zum Vergleich: Im Juni waren es noch rund 27,5 Millionen m³.
Und trotzdem geschieht bisher nichts.
Genau das macht die aktuelle Situation wissenschaftlich besonders spannend.
Wann kommt der nächste Ausbruch?
Das weiss niemand.
Der isländische Wetterdienst betrachtet weiterhin folgendes Szenario als das wahrscheinlichste:
Svartsengi → neuer Magmagang → Sundhnúkur-Spaltensystem → möglicherweise neue Eruption
Momentan ist die Erdbebentätigkeit noch gering. Zuletzt wurde allerdings eine leichte Zunahme kleiner Erdbeben festgestellt.
Das Entscheidende: Wenn sich die Situation verändert, kann es sehr schnell gehen.
Bei früheren Ereignissen betrug die Vorwarnzeit teilweise nur etwa 20 Minuten bis etwas mehr als vier Stunden.
Und unsere Reise vom 3.-10. Oktober 2026?
Damit reisen wir in einer ausgesprochen interessanten Phase nach Island.
Momentan gibt es keinen Hinweis auf einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch. Gleichzeitig sammelt sich weiterhin Magma unter Svartsengi und der Boden hebt sich. Das System ist also keineswegs erloschen.
Vielleicht bleibt während unserer gesamten Reise alles ruhig.
Vielleicht erleben wir aber auch, wie sich die Messwerte verändern.
Und genau das ist Vulkanologie: Wir wissen ziemlich genau, was unter unseren Füssen geschieht - aber nicht genau, wann das System den nächsten Schritt macht